Jugend- und Familienpolitik Pressemitteilung

Aufwachsen im Lockdown: Probleme, Lösungen und Chancen

Wie ist es um die aktuelle Lebensrealität von jungen Menschen bestellt, die im Lockdown aufwachsen? Darum ging es am 26. Mai bei einer Onlinediskussion der Waldkraiburger Grünen. Christoph Arz, Bundestagskandidat und Stadtrat in Waldkraiburg, sprach dazu mit Ekin Deligöz, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik der Bundestagsfraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN, sowie Cathrin Henke, stellvertretende Landrätin und Vorsitzende des Kinderschutzbundes im Landkreis Mühldorf.

Mehrere Studien belegten bereits eine Zunahme der psychischen Belastung aufgrund des Lockdowns, so Ekin Deligöz, die auch im Vorstand des deutschen Kinderschutzbundes sitzt. Durch seine Arbeit als Jugendreferent in Waldkraiburg nimmt auch Christoph Arz die gestiegene Belastung für Kinder und Jugendliche wahr. Die Jugendsozialarbeit sei durch die Kontaktbeschränkungen schwieriger geworden, die Frustration habe zugenommen – gerade in Bezug auf politische Entscheidungsträger:innen und deren gefühlt überstürzten Reaktionen. Auch die Instrumentalisierung ihrer Bedürfnisse sei Kinder und Jugendlichen nicht entgangen. „Es wurde über sie und nicht MIT ihnen geredet“, so Christoph Arz.

Was wurde also politisch falsch gemacht? Dazu Ekin Deligöz: „Wir hätten den Sommer 2020 besser nutzen müssen, um z.B. Lüftungsanlagen und zusätzliche Räume für Schulen zur Verfügungen zu stellen, etwa Kulturzentren und Sporthallen“. Auch eine Homeoffice-Pflicht nach dem erfolgreichem Vorbild von Frankreich wäre sinnvoll gewesen, um die Bewegungsfreiheit von jungen Menschen zu erhalten. Bei den Maßnahmen habe es insgesamt an Kreativität gefehlt. Cathrin Henke Stimmte zu: Kinder und Jugendliche hatten viel zu wenig Lobby und hätten viel mehr Unterstützung gebraucht“.

Jetzt tut Hilfe not: Sowohl Kinder- und Jugendtelefon als auch das Elterntelefon im Landkreis werden wesentlich stärker in Anspruch genommen als vor der Pandemie, sagte Cathrin Henke. Laut Ekin Deligöz ist die Nachfrage bundesweit um rund 30% gestiegen. Die Gründe sind Langeweile und vor allem Einsamkeit. Weitere Sorgen sind Gewichtszunahme und Trägheit wegen fehlender Bewegung.

Um Abhilfe zu schaffen, setzt das grüne Lösungsangebot an vielen Stellen gleichzeitig an: Neben einem 2 Millionen Euro „Aufholpaket“ sieht Ekin Deligöz den Ausbau von Schulen und deren Infrastrukturen als Priorität, um Chancengleichheit und die durchgehende Kommunikation zwischen Pädagog:innen und Familien herzustellen. Christoph Arz plädierte für mehr Partizipation von Kinder und Jugendlichen bei Entscheidungen, die sie betreffen. Dies soll in Form von Jugendparlamenten und Jugendräten sowohl in Kommunen als auch auf Bundesebene geschehen, gestützt durch die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz.

Cathrin Henke betonte: „Kinder und Jugendliche brauchen keine Nachhilfe, sondern eine Verschnaufpause“. Jede Familie sollte durch finanzielle Unterstützung die Möglichkeit bekommen, ihren Kindern durch die Teilnahme an Jugendfreizeiten etwas ihrer Kindheit zurückzugeben.

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